Montag, 28. Juli 2025

Willkommen in Wiesbaden!

Hallo zusammen!

Für den letzten Teil des Portfolios, in dem es um Linguistic Landscaping (die Beobachtung der Nutzung von Sprache(n) im öffentlichen Raum) gehen soll, war ich lange auf der Suche nach drei passenden Bildern. Als ich dann vor ein paar Tagen am Wiesbadener Hauptbahnhof aus der S-Bahn stieg, fielen mir jedoch sofort drei Schilder ins Auge, die wir uns an dieser Stelle kurz anschauen möchten.

In 17 Sprachen heißt dieses Schild ankommende Reisende in Wiesbaden willkommen. Auffällig ist an dieser Stelle, dass auf die Aufschrift auf Deutsch nicht etwa die englische oder die französische Version folgt, wie es sonst oft der Fall ist, sondern die japanische. Französisch ist erst auf dem 17. Platz, Englisch immerhin an zwölfter Stelle zu finden. Das Schild bricht hier mit der - natürlich eher inoffiziellen - Konvention, die "wichtigeren" Sprachen zuerst abzubilden. Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch wäre vielleicht eine etwas "traditionellere" - und ziemlich eurozentrische - Reihenfolge.

Diese lässt sich auf dem hier rechts abgebildeten Schild erkennen, wobei nicht nur am Design, sondern auch an der Nutzung des ß sichtbar ist, dass es sich hierbei um ein Schild vor der Einführung der Neuen Deutschen Rechtschreibung handeln muss. Abgebildet sind hier Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Die ersten drei dieser Liste sind auch die Sprachen, die die Deutsche Bahn zum Beispiel in ICEs zur Kommunikation auf Anzeigen verwendet. Interessanterweise ist der Hinweis auf das Radfahrverbot, der direkt daneben befestigt ist, aber nur auf Deutsch zu finden. Das widerspricht besonders dem ersten Bild, das die traditionelle "Sprachhierarchie" herausfordert - geht es ums Verbieten, wird der Bahnhof plötzlich einsprachig. Besitzen nur deutschsprachige Menschen Fahrräder?

Offenbar neigen auch nur deutschsprachige Menschen dazu, Tauben zu füttern. Mal ganz davon abgesehen, dass dieses dritte Bild für uns als SprunG-Tauben natürlich eine wenig erfreuliche Nachricht enthält, scheint die Bahn sich hier für nicht deutschsprachige Menschen wie schon im letzten Bild rein auf das Piktogramm zu verlassen. Dabei ist das natürlich auch ein sprachliches Zeichen, das durch seine bildhafte Ähnlichkeit mit der beschriebenen (und verbotenen) Situation den Sachverhalt (sprachunabhängig?) deutlich zu machen versucht. Dennoch hat das mit der sprachpolitischen Dynamik des ersten Schildes nichts mehr zu tun. Welche Sprache(n) verwendet werden, hat immer auch eine soziale Konnotation und ist selten zufällig. Um das Verhältnis dieser vier Hinweisschilder, die praktisch direkt nebeneinander stehen, zu erhellen, wäre allerdings auch hilfreich zu wissen, wann genau sie jeweils aufgestellt wurden.

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Ein Beitrag von Paolo Tullio

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1.4. Halluzinationen und Bullshit

  Dieser Eintrag ist Teil eines Portfolioprojekts namens Mensch, Maschine und Sprache. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, schaut mal rechts...